Flavia de Luce – Mord ist nicht das letzte Wort

Vermutlich haben unsere englischen Freunde uns etwas voraus, ohne es zu wissen: Der berühmte Kinderbuchautor Oliver Inchbald, der über seinen Sohn „Paulchen Pastete“ („Crispian Crumpet“ im Original) schrieb, soll so berühmt sein, dass jede Figur im Buch ihn kennt. Da vermute ich fast, dass eine reale Figur dargestellt wurde, aber A. A. Milne, Autor von Pu dem Bären und realer Vater der Figur Christopher Robin, ist der einzige, der mir einfiele.

Jedenfalls, als Flavia den toten Schnitzer englischer Kirchenmöbel findet, spielt Inchbald, obwohl selbst schon länger tot, eine zusehends große Rolle. Abermals spielt für die junge Chemikerin eine mindestens genauso große Rolle, dass sie ihren Vater, schwerkrank im Krankenhaus versteckt, seit ihrer Rückkehr aus Kanada nicht mehr gesehen hat, und umso mehr vom weniger geliebten Rest ihrer Familie umgeben ist.

Der achte Band, den ich in einem Preisausschreiben gewann, ist nicht weniger fulminant als der Rest der Serie.

Flavia de Luce – Eine Leiche wirbelt Staub auf

Es wird mit vielem gebrochen in diesem siebten Band: Flavia, die Ewig-Elfjährige, ist zwölf! Dass sich nicht unendlich viele Geschichten in einem einzigen Jahr erzählen lassen, ist auch dem Autor aufgegangen.

Und das Mädchen erlebt etwas, was bisher auch noch nie im Leben speziell dieser Elfjährigen vorkam, mit keiner Zeile: Schule! Davon denn aber auch gleich richtig viel, denn sie wird nach Kanada in ein Internat verschifft, bzw. „verbannt“, wie sie selbst es wahrnimmt.

Dabei muss es sein, für den neuen Lauf, den ihr Leben seit den letzten zwei Bänden genommen hatte. Wichtiger denn je ist es, die Geschichten in der Reihenfolge zu lesen. Unsere Heldin hat sich komplett gewandelt, von der jungen Miss Marple zur jungen Jane Bond, und damit auch die Haupthandlung. Aber natürlich gibt es weiterhin eine Leiche zu Anfang, und weiterhin viel Chemie. Was es neu gibt, ist viel Kanada, der kanadische Autor gefällt sich in Details der unterschiedlichen Lebensweisen unter derselben Krone. Wer mit Genuss Englisch liest, wird Spaß daran haben, die Originalfassung (As Chimney Sweepers come to Dust) zu lesen, denn speziell die sprachlichen Differenzen zwischen Flavia und ihren kanadischen Mitschülerinnen kann der Übersetzer nur bedingt wiedergeben. Wie hier:

Van Arque made a honking noise through her nose. „Of course not. We use the third-floor kybo.“
„I beg your pardon?“
„The kybo. The bog house. The four-flusher. The holy tabernacle-“
„The crapper, you mean,“ I said.
„The crapper! Ha! That’s a good one!“ she hooted, choking on her porridge.

vs. hier:

Van Arque schnaubte verächtlich durch die Nase. „Quatsch. Wir verdrücken uns aufs Örtchen im dritten Stock.“
„Wie bitte?“
„Aufs Örtchen. Auf den Abtritt. Den Lokus. Das Allerheiligste…“
„Ach, du meinst das Scheißhaus“, sagte ich.
„Das Scheißhaus! Ha! Der war gut!“, lachte sie und verschluckte sich an ihrem Haferbrei.

Und etlichen weiteren Stellen. Und üblichen, fast billigen Scherzen über britische Münzen.

Am Ende, da verrate ich nur ein kleines Geheimnis, geht es zurück „gen Engelland“, denn in Kanada wird Flavia natürlich nicht bleiben. Es muss ja weitergehen. Und am Ende, da verrate ich eher eins, sind nicht alle Vermissten auch Leichen. Einige Vermisste wandeln unter den Lebenden.

Gedruckt oder digital?

Mir ist es schon recht selbstverständlich, das Lesen auf dem Tablet, und das Leeren des Bücherregals. Der FAZ noch nicht so. Im Artikel „Gedruckt oder digital? E-Read erforscht das Lesen“ befasst sie sich mit der wissenschaftlichen Erforschung des Lesens. Beim Erinnern des Gelesenen fehle das physische, das haptische, die „Stelle im Buch“ zum Beispiel, sagen sie. Oder Facebook auf demselben Tablet rufe sich in Erinnerung – nun, das kann man ja selbst entscheiden, ob man es anstellt oder nicht. Mir will das ein wenig wie die immer wieder gleiche Kritik an jedem Neuen vorkommen. Ich mag meinen Reader.

Flavia de Luce – Tote Vögel singen nicht

Schon in der Eröffnungsszene des sechsten Bandes zieht Autor Alan Bradley ein ziemlich mächtiges Register: Die elfjährige Chemie-Detektivin Flavia trifft am Bahnhof des kleinen englischen Dorfs auf keinen geringeren als Winston Churchill.

Es ist 1951, der gealterte Politiker sitzt seit Kriegsende in der Opposition. Er hat viel erlebt, doch in diesem Moment lebt er nur aus der heroischen Vergangenheit des Zweiten Weltkriegs.

Und in genau jener Zeit hat sich viel der immer nur angedeuteten Vorgeschichte von Flavias Mutter abgespielt. Jetzt holt diese Vergangenheit das kleine englische Dorf aus Miss Marple’s Stil und Zeit ein – Flavias Mutter kehrt heim.

Gerade darüber sei nicht viel verraten, denn das würde der Spannung vorgreifen. Und die ist hoch, wenn auch der „obligatorische“ Mord eher unscheinbar am Rande desselben Bahnsteigs stattfindet. Dass das Auflösen der eigentlichen Rätsel am Ende auch den Mord mit aufklärt, mag man zwischendurch gar nicht mehr glauben, scheinbar geht es zwischendurch um ganz andere Dinge.

Der sechste Band dieser Reihe, die in weniger als einem Monat (25. April, Kalender stellen!) auf acht anwachsen wird, treibt die Rahmenhandlung mehr voran denn je, man sollte sie unbedingt in Reihenfolge lesen. Und es wird immer deutlicher, dass man sie sowohl als Erwachsener als auch als Kind lesen kann.

Flavia de Luce – Schlussakkord für einen Mord

Um das Pferd von hinten aufzuzäumen: Wer diesen fünften Band der immer noch elfjährigen Miss Marple bis zur letzten Zeile gelesen hat, muss unverzüglich auch den 6. lesen, einen stärkeren „Cliffhanger“ als diesen letzten Satz habe ich noch nicht erlebt.

Aber den werde ich natürlich nicht verraten, sondern mich mit dem Buch bis dahin beschäftigen. Dass Flavia inzwischen fünf Geschichten erlebt hat, dass sie fünf Fälle aufgeklärt hat, und immer noch elf Jahre alt ist, ist für mich einer der größten Running-Gags der Serie. Der Autor müht sich redlich, wann immer er Schnipsel aus der Vergangenheit der anderen Fälle einstreut, zu erklären, wie diese alle nur wenige Monate auseinander lagen.

Ansonsten hat der Autor an seinem Stil diesmal einiges modernisiert, und kommt wieder zu erheblicher Spannung. Die Familiengeschichte der de Luces, das Verhältnis Flavias zu ihrem Vater und ihren Schwestern, nimmt einen ganz anderen Aufbau an. Die Krimihandlung, in der ein Organist aus dem letzten Loch geblasen hat und ein jahrhundertelang toter Heiliger in unserer Dorfkirche Opfer von Grabräubern wird, die eines Howard Carter würdig wäre, fesselt einen auf jeder Seite, und die Chemie, Flavias Hobby, macht Appetit, mal mehr über dieses Fach zu lernen, das meiner Tochter heute mehr Spaß macht als es mir damals machte.

Tablet oder E-Reader zum E-Book?

Wer sich noch vor ein paar Jahren für E-Books interessierte, für den hieß die Antwort ziemlich rasch E-Reader. Deren besonderer Bildschirm, das „E-Paper“ ist hochauflösend und flackerfrei, und als Bonus stromsparend. Ein E-Reader kann einen Monat ohne Steckdose auskommen.

Heute sind Tablets überall in unseren Alltag eingetaucht, ihre Bildschirme immer besser geworden, und man hat ja oft ohnehin eins, dann kann man darauf auch in einer App E-Books lesen. Der niedrige Stromverbrauch des E-Readers ist heute nur noch für Fahrrad-Camper interessant, und bleibt oft sein einziger Vorteil. Sein größter Nachteil: Er kann nichts Weiteres außer Lesen.

Kobo war einer der ersten Hersteller von E-Readern und ist noch heute auf dem Gebiet dabei, ebenso Tolino. Eine Sonderrolle spielt der Kindle von Amazon, weil er Amazons eigenes Format liest und nicht den epub-Standard, den alle anderen benutzen. Dieser Standard bedeutet für die anderen nämlich, dass sie Bücher austauschen können, und auch ausleihen.

Der Kindle ist gleichzeitig auch vorne dabei am Übergang vom E-Reader zum Tablet, von Amazon gibt es beides. Aber das geht auch umgekehrt: wie die meisten Apps zum Lesen gibt es auch „Kindle“ als App auf normalen Tablets. Ebenso läuft auf Tablets die App von Tolino, die von Kobo… und obendrein Ausleih-Apps wie Skoobe oder die Onleihe. (Man kann Onleihe der öffentlichen Büchereien auch zusammen mit reinen E-Readern nutzen, dann aber nur auf dem Umweg über einen PC, während man Bücher auf dem Tablet direkt ausleihen kann.)

Weil sie insgesamt einfach mehr können, überwiegen für mich inzwischen die Vorteile von Tablets über das Stromsparen und den „Papiereffekt“ von E-Readern. Tablets sind recht austauschbar, man kann ein Markenprodukt bevorzugen oder sich eins von Aldi kaufen, man kann 69,95 € in die Hand nehmen oder zweihundert. Speziell für Bücher würde ich das Display sorgfältig betrachten, während der Prozessor und der Arbeitsspeicher dafür eher keine Rolle spielen.

Ein Spezialfall ist das Tablet mit E-Paper von Icarus, es stellt eine Mischung beider Welten dar, die zum Lesen optimal ist.

Hier kann man eigene epub-Bücher ebenso lesen wie geliehene Bücher über Apps wie Skoobe oder die Onleihe, in Qualität und Stromverbrauch von E-Paper, aber man kann eben auch Apps verwenden – mit der Einschränkung, dass das Display schwarzweiß und langsam ist. Textlastiges wie Google, Wikipedia oder das Lesen einer normalen Website gehen also gut, grafiklastiges wie Fotos oder gar Spiele nicht.

E-Books lesen mit Skoobe

Nicht nur platzsparend im Urlaub, auch gemütlich und immer aktuell zu Hause setzen sich E-Books immer mehr durch. Ob man sie auf einem speziellen Reader liest oder auf einem Tablet, ist eine separate Frage (ich werde hier auch ein spezielles Tablet empfehlen), aber das leere Bücherregal ist nicht länger ein Beweis, dass man es mit einem Illiteraten und Banausen zu tun hat – schon länger wurde ja der Billy überwiegend mit Taschenbüchern gefüllt, die Zeiten der „schönen“ Buchrücken-Reihen sind länger vorbei.

E-Books kann man kaufen genauso wie Bücher, bei Amazon oder anderswo. (Amazon ist dabei ein Spezialfall, sein Kindle ist nicht kompatibel mit dem epub-Format aller anderen und deshalb von mir nur bedingt eine Empfehlung.) Und man kann sie leihen genauso wie Bücher, z. B. bei der Onleihe der eigenen öffentlichen Bücherei.

Man kann sie aber auch für Geld leihen, bei Online-Diensten wie Skoobe. Der Vorteil: Dort hat man stets die aktuellsten Titel, und sie sind nicht gerade ausgeliehen wenn man sie haben will. Dafür zahlt man mit 9,99 €/Monat ungefähr den Preis eines Buchs, dafür gehören sie einem zwar nicht – aber man kann sie jederzeit wieder ausleihen.

Für jeden eine Empfehlung, der am Anfang der Entscheidung steht. Zum Ausprobieren kann man Skoobe mit dem folgenden Code 30 Tage kostenlos lesen: MGMMKEMU3. Und auch später jeden Monat wieder aussteigen, ohne Fristen, sehr kulant.

Aimée Carter – Animox, das Auge der Schlange

Er ist gestern erst erschienen, der zweite Band von Animox, und der elfjährige Sohn konnte ihn wirklich kaum abwarten. Er hält ihn für dringend empfehlenswert.

Simon und sein Zwillingsbruder Nolan haben die auch in der Welt der Animox besondere Gabe, sich in nicht nur ein Tier verwandeln zu können. Die zweifelhafte Gabe des Bestienkönigs erlaubt es ihm, zwischen den Königreichen zu wechseln. Anders als Nolan wusste Simon das bisher noch nicht. Er braucht seine Gaben, um seine Mutter zu retten. Doch auch in der Menschenwelt von New York und Arizona muss er sich auskennen.